Jetzt schlafen sie
Alessio Cremonini
Ora dormono
Einaudi
Zusammenfassung
Eine liberale und fortschrittliche Familie im Deutschland der 1920er-Jahre gerät in Gefahr. Der Nationalsozialismus breitet sich rasant aus, selbst an ahnungslosen Orten wie der psychiatrischen Klinik Lang. Der älteste Sohn, Karl, ist von Anfang an ein Nazi. Schon in jungen Jahren beteiligte er sich am Münchner Putsch und trat so bald wie möglich der Partei bei, mit der Mitgliedsnummer 690. Zuhause schämt man sich für ihn, doch sein Aufstieg hat begonnen: Diese Karte ist gleichbedeutend mit einem Machtinstrument, dem Pass, der Karl bis in die höchsten Staatskreise führen wird. Es klingt wie der Auslöser für einen Roman über das Dritte Reich, doch es ist die Geschichte – wahr, erinnert, überliefert und dann neu interpretiert – von Alessio Cremoninis Vorfahren. Sein Großvater Bruno ist der andere Sohn, Karls jüngerer Bruder. Und alles, was er durchgemacht hat, trug er bis zum Ende in sich, wie ein Geheimnis, über das man so wenig wie möglich sprechen sollte, um die Lebenden und die Toten zu schützen. Doch diese Geschichte ist nicht verloren gegangen: Ausgehend von einem zufällig entdeckten Tagebuch, einem Stapel Briefe und alten Filmaufnahmen seines Großvaters hat sie sein Enkel, der Filmemacher, zusammengetragen. Schon als Junge löcherte er ihn mit Fragen und rekonstruiert nun das Gefüge der Familien- und kollektiven Erinnerung. Alessio Cremonini bewegt sich auf dem Papier wie hinter der Kamera: Während alle schlafen, mitsamt ihren Impulsen, ihren Kämpfen und ihrer Schuld, entfaltet sich vor seinen Augen der große Film der Geschichte mit großem G.
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