Bagai
Zusammenfassung
Elia kann Gefühle nur schwer ausdrücken. Er läuft mit dem Daumen am Zippo-Feuerzeug herum und spürt innerlich einen nie endenden Schmerz. Dann taucht Camilla auf und nähert sich ihm, „als ob er ihr eine Erklärung schuldete, einen Platz neben ihm im Bus, ein wenig Zuneigung.“ Und Zeichen aus der Vergangenheit tauchen auf, wie Ohrfeigen oder Liebkosungen. Vielleicht kann selbst die überwältigende Liebe der Zwanziger einen nicht vor der Rastlosigkeit und der Enge der Heimat bewahren; doch manchmal gibt es Menschen, Gedanken und Details, die die Zukunft weniger beängstigend erscheinen lassen. „Bagai“ ist das Debüt eines im Jahr 2000 geborenen Autors, aber es ist kein Generationenroman: Es ist ein kraftvoller Schrei. Der Beweis, dass Talent nicht wartet, es ist einfach da.
"Bagai ist er, bagai ist Andrea, bagai sind die Jungen aus Pandino, aus der Provinz, die ziellos umherirren, die einer Welt in Flammen entfliehen.".
Pandino hat einem Achtzehnjährigen nicht viel zu bieten: neuntausend Einwohner, fünfzehn Bars, zehn Friseure, fünf Pizzerien, einen Enel-Turm, übersät mit Graffiti aus Generationen, zwei Kirchen, einen Schrein, nicht einmal eine Buchhandlung. Elia hat immer in diesem begrenzten Umfeld gelebt: Schule, ab und zu eine Party, sein bester Freund, ein Aktivist, der ihn mit seinen politischen Kämpfen vergeblich aufzurütteln versucht, sein Vater, der alles gibt, obwohl es nie genug ist. Als Camilla plötzlich in sein Leben tritt, mag sie wie ein Lichtblick erscheinen, aber mit ihm – und mit seiner Apathie, mit der Mauer, die er Jahr für Jahr zwischen sich und der Welt errichtet hat – ist alles schwieriger. Denn in ihm brennt ein unkontrollierbarer, immerwährender Schmerz. Ein Leid, das alles verschlingt, selbst die wenigen Dinge, die ihm wirklich etwas bedeuten. Elia ist jemand, der die Menschen in seiner Nähe unabsichtlich verletzt; er möchte sich öffnen, weiß aber nicht, wo er anfangen soll. Und Camilla, mit ihren abgekauten Nägeln, mit ihrem Blick, der „wie eine Infektion“ ist, mit Musik, mit Büchern, versucht, dieses Eis zu schmelzen: Doch das Schulende rückt näher, und gleich danach müssen sie sich eine Zukunft fernab davon ausdenken, denn schließlich „würde niemand sein ganzes Leben in einem Drecksloch vergeuden“. Schwer vorstellbar ist jedoch, was als Nächstes passiert: „Die Hälfte von uns landet an einer niederländischen Universität, die andere Hälfte kellnert in einem Pub in London, das ja mittlerweile sogar außerhalb Europas liegt … na ja, dann eben Berlin.“ Samuele Cornalba ist Anfang zwanzig, und in seinem primo romanzo beschreibt er einfach das, was er am besten kennt: wie der Verstand eines im Jahr 2000 geborenen Jungen funktioniert. Mühelos zieht er uns in Elias Geschichte hinein, mit poetischen Bildern und Dialogen von beunruhigender Authentizität. Es braucht nur einen Augenblick, bis wir uns alle, ob jung oder alt, in seinem Schreiben wiedererkennen. Uns selbst erkennen.
Bewertungen
Noemi Chiuminati
De Amicis Gymnasium von Cuneo, Klasse 2B
Ein sehr flüssig und angenehm zu lesendes Buch voller interessanter Zusammenhänge und Reflexionen. Das Ende hat mich etwas enttäuscht, da ich eine überraschende Wendung erwartet hatte. Trotzdem würde ich es wieder lesen und weiterempfehlen.
Arianna Not
De Amicis High School in Cuneo, Klasse 3G
„Bagai“ ist ein Buch über junge Menschen, die sich den Herausforderungen des Lebens stellen und zu sich selbst finden. Die Protagonisten fühlen sich trotz der Vernetzung in ihrer Welt oft einsam und verwirrt. Der Roman erkundet Themen wie Identität, Freundschaft und die Suche nach dem eigenen Platz in der Welt. Jeder Charakter hat seine eigenen Ängste, Träume und Unsicherheiten, und man kann sich gut in sie hineinversetzen, da sie Teenager sind wie wir. Cornalba schreibt einfach und direkt und schafft es, tiefgründige Emotionen zu vermitteln, ohne die Dinge zu verkomplizieren. Das Buch regt zum Nachdenken darüber an, wie schwer es ist, erwachsen zu werden und zu verstehen, wer wir wirklich sind, aber auch darüber, wie wichtig es ist, seinen Platz im Leben und die Menschen zu finden, die uns verstehen. „Bagai“ ist eine Geschichte, die dazu ermutigt, in sich selbst zu schauen, die eigene Verletzlichkeit nicht zu fürchten und die Verbindung zu anderen zu suchen. Deshalb hat es mir so gut gefallen.
Giulia Modesto
De Amicis High School in Cuneo, Klasse 3G
Mir hat es sehr gut gefallen, weil es aufrichtig und direkt das Gefühl des Verlustes beschreibt, das man als junger Mensch empfindet, insbesondere wenn man an einem Ort lebt, der einem zu eng erscheint.
Elia ist ein echter Protagonist mit all seinen Fehlern und Ängsten, und genau deshalb konnte ich mich so gut mit ihm identifizieren.
Mich hat besonders beeindruckt, dass das Buch keine einfachen Lösungen bietet, denn es zeigt, dass das Erwachsenwerden voller Zweifel und Unsicherheiten ist, und die Beziehung zwischen Elia und Camilla veranschaulicht dies sehr gut.
Denn ihre Liebesgeschichte ist keine einfache, sondern voller unerwarteter Wendungen, kleiner Veränderungen und Fragen ohne sofortige Antworten.
Es ist ein Buch, das einen etwas melancholisch zurücklässt, aber auch das Gefühl vermittelt, dass wir mit diesen Emotionen letztendlich nicht allein sind.
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