Samtige Scheidung
Jana Karšaiová
Divorzio di velluto
Feltrinelli
Zusammenfassung
Wie übersteht man den Bruch, den Verlust der eigenen Wurzeln? Was bleibt, wie erfindet man sich neu? Katarína kehrt von Prag nach Bratislava zurück, um Weihnachten mit ihrer Familie zu verbringen. Zu den alten Missverständnissen mit ihrer Mutter gesellt sich die Schwierigkeit, die Abwesenheit ihres Mannes Eugen zu erklären. Doch in diesen wenigen Tagen trifft sie auch ihre alten Studienfreundinnen wieder, insbesondere Viera, die mit einem Stipendium nach Italien gegangen ist und immer weniger in die Slowakei zurückkehren möchte. Die beiden Freundinnen knüpfen wieder an ihre alten Wunden an – Viera an die ihrer ehemaligen Italienischlehrerin Barbara, Katarína an die von Eugen, der sie zwei Monate zuvor mit einem Zettel auf dem Küchentisch verlassen hatte. Katarína lässt ihre Beziehung zu ihm Revue passieren, von ihrer ersten Begegnung bis zu ihrer vielleicht etwas verfrühten Heirat, den vielen Schwierigkeiten der Integration in Prag und dem Schmerz, über den sie noch immer nicht sprechen kann. Und zwischen den Erinnerungen tauchen Bruchstücke des Lebens in Bratislava unter kommunistischer Herrschaft auf: die Abschaffung der katholischen Feiertage, Zensur, Warteschlangen für Fleisch und alles andere. Die „samtene Scheidung“ bezieht sich auf die Trennung zwischen der Slowakei und Tschechien, die im Roman an die Trennung zwischen Katarína und ihrem Mann Eugen, zwischen Viera und einem Land, das ihr zu eng ist, erinnert. Es ist eine Geschichte von schmerzlichen Verlusten, von Verrat, von gefürchteten, aber unausgesprochenen Sehnsüchten, von Brüchen, die neue Kraft zum Heilen erfordern, von Entwurzelung und Wiedergeburt – eine Suche nach sich selbst, sowohl der Protagonistin als auch ihres Landes, die beide von einer festen Vergangenheit verwaist sind. Jana Karšaiovás vielseitiges und tiefgründiges Schreiben ist außergewöhnlich für eine Autorin, deren Muttersprache Italienisch ist. Ein literarisches Debüt von großer Reife.
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