Politeama
Gianni Amelio
Politeama
Mondadori
Zusammenfassung
Im unruhigen Süditalien der 1950er-Jahre durchlebt Luigino eine Kindheit voller Entbehrungen und Wut, die ihn viel zu schnell erwachsen werden lässt. Von allen familiären Bindungen abgeschnitten, ist seine junge Mutter in einer psychiatrischen Klinik untergebracht, und der Name seines Vaters ist unbekannt. Luigino träumt davon, im Radio und vielleicht auch im aufkommenden Fernsehen zu singen. Während er heranwächst, sich furchtlos jedem Unglück widersetzt und die Zerbrechlichkeit seiner Gefühle offen akzeptiert, wird seine Stimme immer weicher und geschmeidiger, wie die der Diven von Sanremo und der großen Showgirls der Revue. Manche bitten ihn, sie in Zirkusarenen oder auf Varietébühnen zu imitieren. Das Publikum applaudiert und verspottet ihn, feiert und demütigt ihn, ohne dass es ihm gelingt, seine natürliche Unschuld zu trüben. Als Luigis Weg ins Showgeschäft brutal versperrt wird, beschließt er, nach Rom zu gehen, um seinen Platz in der Welt zu finden. Dort findet er sich inmitten einer Menschheit wieder, die am Rande eines unsichtbaren Abgrunds schwebt. Bis er eines Abends Elide begegnet, einer fünfzehnjährigen Kellnerin, die wie er allein lebt. Sie lässt ihn für einen Moment die Süße der Liebe und unmittelbar darauf die Qual der Verlassenheit spüren, was sein Leben in einen brutalen Abgrund mit unvorhersehbarem Ausgang reißt. Gianni Amelios Erzähldebüt ist ein ergreifender Coming-of-Age-Roman, zart und grausam, verzweifelt und strahlend, unvergleichlich. Getragen von einem prägnanten, zum Kern der Sache vordringenden Stil, offenbart er im Verlauf der Handlung einen unerschütterlichen Glauben an die Kraft der Vielfalt, an den klaren Wahnsinn, der jedem Menschen hilft zu überleben, selbst wenn eine Nacht ohne Morgengrauen hereinbricht.
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