Kein Kaffee für Spinoza
Alice Cappagli
Niente caffè per Spinoza
Einaudi
Zusammenfassung
Als das Arbeitsamt ihr die Stelle als Kellnerin und Vorleserin für einen erblindeten, älteren Philosophieprofessor anbietet, nimmt Maria Vittoria ohne zu zögern an. Ihre Ehe steht „wie eine Hütte aus Zahnstochern“, und alles um sie herum scheint ihr den letzten Ausweg zu weisen. Der Professor heißt sie in seinem luftigen, lichtdurchfluteten Haus willkommen, und es dauert nicht lange, bis sich zwischen ihnen eine echte Beziehung entwickelt – mal komisch und bissig, mal zärtlich und liebevoll, oft von gegenseitigem Verständnis geprägt. Mit derselben fröhlichen, aber auch rauen Art, die typisch für Livorno ist, kocht Maria Vittoria Zucchini und liest ihm aus Werken von Pascal, Epiktet, Spinoza, Augustinus und Epikur vor. Der Professor versteht es immer wieder, die Weisheiten großer Denker in kleinen Hausarbeiten zu entdecken, und Maria Vittoria erkennt, dass Philosophie im Alltag nützlich sein kann. Für sie wird jede Lektüre zu einem Werkzeug, um Dinge zu klären, die ihr bis dahin verwirrend erschienen waren, und um die Scherben eines Lebens zusammenzusetzen, das sie stets anderen angepasst hatte. Ringsum Livorno mit seinem Markt, der Mascagni-Terrasse und der Villa Fabbricotti, den Kirchen mit Blick aufs Meer. Und ein Wirbelwind an Charakteren: die hochkultivierten Freunde des Professors, seine Tochter Elisa, die furchteinflößende Vally, seine kontrollsüchtige Schwägerin, Signora Favilla, die ständig nach einer Katze sucht, die sie an ihren Ex-Mann erinnert, die ehemaligen Studenten, die zu endlosen Diskussionen zu Besuch kommen. Und dann ist da noch Angelo, aber das ist eine andere Geschichte. Nach und nach lernen Maria Vittoria und der Professor voneinander viel und helfen einander auf ihren gegensätzlichen Wegen: die eine dem Leben entgegen, der andere – wie es die Natur will – dem Tod. Ohne viel Aufhebens erkennen wir, sobald wir das Buch zugeklappt haben, ganz natürlich, dass die Lektion des Professors in uns allen Wurzeln schlägt: Wir können immer wieder von vorne beginnen mit den Büchern, die wir lieben, selbst wenn alles um uns herum etwas anderes sagt.
Partner
in Zusammenarbeit mit
mit Unterstützung von