Hermes
Simonetta Poggiali
Ermes
Neri Pozza
Zusammenfassung
Ein sechzehnjähriger Junge, dessen Leben dem Gesetz des Stärkeren ausgeliefert ist. Auf seiner Vespa kassiert Luigi in jeder Ecke Neapels Geld, wie ein Postbote, wie ein Steuereintreiber. Vomero, Ferrovia, Tribunali, bis nach Posillipo, „ein Ort, an dem es zu still war, und obwohl er wunderschön war, wirklich wunderschön, fühlte man sich dort nicht wohl.“ Luigi spricht wenig, doch seine Augen sind weit geöffnet. Sein Herz ist in Aufruhr, niemand begleitet ihn auf seinen Wanderungen auf der Suche nach dem Objekt seiner Begierde, Ninetta. Ein sechzehnjähriges Mädchen, die Freundin von Gaetano, dem neuen Bandenchef, der gerade aus dem Gefängnis von Poggioreale entlassen wurde, dem neuen, gnadenlosen Boss der Camorra, dessen Schicksal unweigerlich von Gewalt geprägt ist. Um Luigi herum ist eine zerbrochene, düstere Welt, erfüllt von Melancholie und Reue. Wer sind seine Freunde? Vittorio, sein alter Chef, der ihm monatlich sein Geld brachte und einen Boxerwelpen erwürgte, nur weil dieser ihn anstarrte. Pasqualino, sein kleiner, kränklicher Bruder, der im Schlaf die Namen der antiken Gottheiten rezitiert, von denen er in der Schule gelernt hat: Hermes, der Götterbote, Jupiter, der Blitze vom Olymp schleudert, Neptun, der über die Kräfte des Meeres und den Gesang der Sirenen herrscht. Und seine Mutter, eine Witwe, die im Wachhaus eines alten, verfallenen Gebäudes gefangen lebt und ihm wie eine weinende Madonna erscheint. Luigi lebt bereits von Erinnerungen, von einer stillen Hoffnung. Er ist weder Mensch noch Gott und trägt in Neapel, stets bei sich, die Qual der Sehnsucht nach Glück.
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