Doromizu
Mario Vattani
Doromizu
Mondadori
Zusammenfassung
Der mittellose 25-jährige Alex Merisi, ein Filmfan, lebt seit zwei Jahren mit einem Studentenvisum in Tokio. Gelegenheitsjobs als Fotograf und Kameramann sichern ihm zwar seinen Lebensunterhalt, doch sie füllen nicht die Leere, die den in England aufgewachsenen und bald verwaisten Italiener einst dazu trieb, im Land der aufgehenden Sonne eine Zukunft zu suchen. Plötzlich gelangt Alex an eine große Summe Geld, die sein Leben verändern könnte. Dieser unerwartete Reichtum fällt mit seiner ersten Chance zusammen, als Regieassistent bei japanischen Filmproduktionen zu arbeiten – natürlich ganz unten: bei Erwachsenenfilmen. So beginnt Alex' Initiationsreise in die dunkle und weitläufige Unterwelt Tokios um die Jahrtausendwende, die ihn bald verschlingen und in den Strudel der Pornografie ziehen wird. Ein Universum voller Charaktere, die ebenso dämonisch wie kindlich und verspielt sind: Tätowierer, die gleichzeitig Lebensweisheiten vermitteln, Mitglieder der Yakuza. Und durch Frauen, die oft in Extremsituationen verewigt werden, weibliche Figuren, die mit ihren krassen Widersprüchen die vielfältigen Seelen einer Zivilisation verkörpern, in der der Kontrast zwischen Licht und Schatten mitunter blendend ist: So entsteht Ayas melancholische Resignation, Megumis schmerzhafter Mut, Tomomis unerschütterliche Weisheit. Mit einem reduzierten, aber fesselnden Stil schildert Mario Vattani eine dunkle und sinnliche Realität, so fern, dass sie beinahe paradox erscheint und vielleicht gerade deshalb umso realistischer. Und nach und nach, ohne es zu merken, knüpfen wir Leser eine so lebendige Verbindung zu Worten, Aromen und Verhaltensregeln, dass Alex’ japanische Erfahrung ein Stück weit unserer eigenen ähnelt.
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