Die richtige Distanz zum Bösen
Georgia Protti
La giusta distanza dal male
Einaudi
Zusammenfassung
Es ist Nacht, und eine junge Ärztin beendet ihre Schicht in der Notaufnahme. Ihre Arbeit ist zu einem schwarzen Loch geworden, in dem alles andere verschwindet – ihr Freund, ihre Freunde, ihre Leidenschaften, ihr Leben außerhalb davon. Sie muss sich gegen den Schmerz anderer, gegen die Wut, Frustration und Ungeduld der vielfältigen Menschen, die sich in diesen Räumen drängen, verteidigen und beginnt, nichts mehr zu fühlen. Der Idealismus ihrer Anfangszeit verblasst zu einer vagen Erinnerung, die Begeisterung schwindet mit jeder Schicht. All das geht ihr durch den Kopf, als sie zügig über den leeren Krankenhausparkplatz geht, doch plötzlich erstarrt sie: Auf der Motorhaube eines Autos sitzt eine beunruhigende Gestalt mit zwei langen, häutigen Flügeln und wartet auf sie. Luzifer erscheint ihr zunächst wie eine Halluzination, hervorgerufen durch die Erschöpfung, doch dann wird seine Präsenz zur ständigen Präsenz. Während die menschlichen Beziehungen um sie herum zerbrechen, die Außenwelt immer undurchsichtiger wird und sich in der Notaufnahme die Notfallcodes, Behandlungen, Krankenhausaufenthalte und Notoperationen häufen, ist er der Einzige, der bleibt, der sich mit ihr anfreundet. Der die Leere füllt, die die anderen hinterlassen haben. Doch seine Anwesenheit ist alles andere als desinteressiert und wirft beunruhigende Fragen auf – Welchen Wert misst man seiner Seele bei? Wie kann man sich vor dem Leid anderer schützen? Gibt es eine angemessene Distanz zum Bösen? – und wer bietet ihr schließlich einen Pakt an? Dieser packende Roman ist eine Meditation über den Schmerz: den derer, die ihn am eigenen Leib erfahren, und den derer, die sie heilen. Die Porträts der Menschen in der Notaufnahme sind lebendig, zutiefst menschlich und mitunter verstörend. Ihre Körper sind Rätsel, erschreckende Abgründe, Wunderwerke falscher Alarme und verborgener Gefahren. Manche entdecken innerhalb einer halben Stunde, dass sie schwer erkrankt sind, manche übertreiben ihre Symptome, um ein paar Tage frei zu bekommen, manche weigern sich, die Qualen eines geliebten Menschen zu akzeptieren und greifen das medizinische Personal an. Ärzte und Pflegekräfte tun ihr Bestes, um den ständigen Zustrom von Notfällen zu bewältigen, doch all dieser Schmerz zehrt einen schließlich auf: Selbst wenn man es nicht will, muss man sich betäuben, sonst erliegt man ihm.
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