Die Pelikane
Sergio La Chiusa
I pellicani
Fata Morgana
Zusammenfassung
Der junge Pellicani ist ein Schwätzer. Eines Abends – spät in der Nacht – taucht er im Haus seines Vaters auf, jenem Haus, das er vor zwanzig Jahren verlassen hatte, nachdem er seine Ersparnisse aus einer bestimmten Schublade gestohlen hatte. Das sechs- oder siebenstöckige Mietshaus ist heruntergekommen. Doch der Name „Pellicani“ prangt noch immer an der Türklingel im obersten Stockwerk; und die Tür steht einen Spalt offen. Der junge Pellicani – in einem leicht zerfetzten grauen Anzug, die Aktentasche nur zur Schau – möchte eine Nacht bleiben und dann weiterreisen: Er habe geschäftlich in China zu tun, behauptet er. Sein Vater werde die Ereignisse von vor zwanzig Jahren vergessen haben und ihn freudig empfangen. Doch in der Wohnung findet der junge Pellicani nur einen alten Mann vor. Er sieht seinem Vater zwar etwas ähnlich, vor allem die Nase. Aber eben doch nur ein alter Mann! Es stimmt, zwanzig Jahre sind vergangen … Der junge Pellicani redet und redet, beschreibt alles, was er tut, alles, was er sieht: die Wohnung, die Wäsche, die in einem Zimmer hängt, die Frau, die jeden Tag kommt, um dem alten Mann Minestrone zu kochen. Der junge Pellicani redet und redet, und wir Leser werden in dieses unaufhörliche Geplapper hineingezogen, in seinen hartnäckigen Unglauben an das, was er sieht, in sein Spekulieren, Umerfinden, Erklären, Verwandeln der banalen Realität, die sich ihm bietet: bis wir aufgeben, aufhören zu fragen, es uns egal ist, ob der alte Mann im Haus Pellicani Senior ist, ob der Mann im Spiegel der echte junge Pellicani oder ein Betrüger ist: Wir geben uns nur noch dem Inbrunst dieses unerschöpflichen Geplappers hin. Selten bereitet das Lesen eines Romans so viel Vergnügen am Schreiben selbst; und selten ist so viel erzählerischer Reichtum so mühelos in einem einzigen Roman, einer einzigen Wohnung, fast einem einzigen Zimmer konzentriert.
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