Die Geister des Imperiums
Marco Consentino – Domenico Dodaro – Luigi Panella
I fantasmi dell’impero
Sellerio
Zusammenfassung
Äthiopien, Ostafrika, 1937. Ein Jahr ist vergangen, seit Benito Mussolini das Kaiserreich ausrief. Doch die Propaganda verschweigt weiterhin, dass Volk und Land noch lange nicht unterworfen sind. Der Kolonialkrieg tobt heftiger denn je, selbst mit dem Einsatz von Gas, gegen die Arbegnoch, die Patrioten, und ist umso erbitterter, als er zum Scheitern verurteilt ist. Hinter der Brutalität der Besatzer und der Führung des Kolonialregimes verbirgt sich eine finstere Verschwörung. Was „Ghosts of Empire“ zu mehr als einem historischen Roman macht, ist die Art und Weise, wie die Handlung konstruiert ist und den Eindruck eines Live-Berichts vermittelt. Es ist eine Mischung aus Fiktion und Geschichte, die alle literarischen Mittel nutzt: fiktive Erzählung kombiniert mit Dokumenten, Briefen und Telegrammen, Militärberichten, Geheimdienstberichten, Protokollen und Hierarchien, Gesprächs- und Verhörprotokollen. Eine Polyphonie der Texte, die die ganze Spannung des damaligen Lebens einfängt: Erwartung, Zuneigung, Angst, Trauer, Ablehnung, Entsetzen. Und gleichzeitig bietet es – durch Verbrechen, verborgene Niederlagen, bürokratische Feigheit und Sadismus, aber auch durch großzügige Gesten und edle Individuen – ein Bild und ein Gefühl nationaler Demütigung, das den unerfüllten Traum des „Imperiums“ darstellte. Die Geschichte entfaltet sich anhand der Ermittlungen von Vincenzo Bernardi. Als integrer Militärrichter soll er die Kriegsverbrechen eines Offiziers, eines gewissen Corvo, aufklären. Da war das Attentat auf den Vizekönig von Äthiopien, Rodolfo Graziani, auf das die Italiener mit gewaltsamer Vergeltung reagierten. Im Zuge der Repressionen entfachten und stärkten Berichte über Exzesse in fernen Provinzen den hartnäckigen äthiopischen Widerstand. Auf der Suche nach den Schuldigen, von Dorf zu Dorf, dringt Bernardi in das Herz der Finsternis des italienischen Kolonialismus vor. Er kennt dessen Schrecken, dessen Niedertracht, den Untergrundkampf zwischen faschistischen Milizen und Offizieren. „Du standest auf der falschen Seite, Bernardi.“ Die Fakten, die Figuren mit geänderten Namen, die wahren Namen, die Orte, die Schlachten, die Hinterhalte, die Hinrichtungen und alles Weitere – alles in diesem Roman ist wahr; doch im Kern ist er Fiktion. Eine Annahme, die Archivspuren, Zufälle, die Atmosphäre und bestimmte postfaschistische Entwicklungen beinahe plausibel erscheinen lassen.
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