Der Magier des Kremls
Julian aus Empoli
Il mago del Cremlino
Mondadori
Zusammenfassung
„Der Magier des Kremls“ ist ein Roman, der gleichermaßen erschreckend und berührend ist. Sein Autor entführt uns in die brillant verdrehte Psyche von Wadim Baranow, dem fiktiven Alter Ego von Wladislaw Surkow, Wladimir Putins Spin-Doktor bis 2021. Im Laufe einer Nacht erzählt Baranow, der als „Magier des Kremls“ bekannt ist, wie er 2001 das Image des „Zaren“ mitgestaltete, als dieser noch ein blasser und unbekannter Ministerpräsident der Jelzin-Ära war. Baranow, ein Mann der Avantgarde-Kunst und des Reality-TV, ist ein kultivierter Mann, aber vor allem auch ein faschistischer Ideologe, der Putins Groll ausnutzt und seinen brutalen Autoritarismus legitimiert, indem er dessen vulgäre Ausdrucksweise korrigiert. Kurz gesagt, verleiht Baranov der Diktatur einen demokratischen Anstrich und avanciert schnell zum skrupellosen Architekten der Desinformation, indem er die Volkswut in den sozialen Medien und anderswo anheizt und kanalisiert. Der Roman liest sich erschreckend wie eine römische Tragödie: Diejenigen, die Putin an die Macht brachten, werden beseitigt oder inhaftiert, während mithilfe von Dollar, Manipulation, Cyberangriffen und der Unterstützung extremistischer Bewegungen aller Art der Mythos eines allmächtigen Russlands geschaffen wird, das selbst die geheimsten Machenschaften kontrollieren kann. Ziel ist nicht die Machtergreifung, sondern die Schaffung von Chaos. Doch jenseits der schonungslosen Analyse des Putin-Systems mit seinen unterwürfigen Höflingen, seinen Oligarchen, seinen verfolgten Exilanten, seinen Eskorten und seinen unerbittlichen Killern „Der Magier des Kremls“ den eisigen Atem der russischen Macht spüren. Ein Imperium, das alle Erzählstränge des großen russischen Romans miteinander verwebt: von Iwan dem Schrecklichen über die „Trollfabriken“ bis hin zur Erschaffung eines furchterregenden, illusionären Freskos, das „die glorreiche Geschichte eines unbesiegten Volkes“ illustriert. Ein Imperium, für das der Krieg, wie uns die aktuellen Ereignisse auf tragische Weise vor Augen führen, der einzige Ausweg zum Überleben ist. Dieses moderne und visionäre Buch, das von brennender Aktualität zeugt, besitzt die zeitlose Anmut eines Klassikers. Giuliano da Empolis Gelehrsamkeit, sein Stil und seine Erzählkunst verleihen dieser rohen und brutalen Geschichte eine beinahe metaphysische Reinheit. Es ist Der Fürst“, durchdrungen von John le Carrés Nebeln, erzählt mit dem Rhythmus großer russischer Literatur.
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