Der große Durst
Erica Cassano
La grande sete
Garzanti
Zusammenfassung
Anna hat Durst. Die ganze Stadt leidet seit Wochen unter Wassermangel. Manche werden diese Tage die Tage des Großen Durstes nennen, andere die Vier Tage von Neapel. Es ist 1943, und überall wird das Wasser knapp, nur nicht in dem Haus, in dem Anna mit ihrer Familie lebt. Während sich eine Schlange von Frauen am Casa del Miracolo vorbeischlängelt und um gerade genug bettelt, um ihren Durst zu stillen, fragt sie sich, warum ihr Durst so unstillbar scheint. Denn was Anna fühlt, ist anders: Es ist ein Durst nach Leben und nach einer Zukunft der Erlösung. Mit zwanzig Jahren möchte sie an der Literaturfakultät studieren, lesen, in einer Welt ohne Trümmer leben, ohne den ständigen Alarm der Luftschutzsirenen. Doch für Träume bleibt keine Zeit. Ihr Vater ist tot, ihre Mutter hat sich zurückgezogen, ihre Schwester und ihr Neffe sind krank. Ihre Zukunft hängt von ihr ab. Als sich ihr die Gelegenheit bietet, nimmt Anna eine Stelle als Sekretärin auf dem amerikanischen Stützpunkt in Bagnoli an. Sie betritt eine ihr fremde Welt und begegnet Menschen aus einem fernen Land voller Verheißungen, die – wie alle Verheißungen – zugleich bezaubernd und beängstigend sind. Am einfachsten wäre es, zu fliehen und die schmerzhaften Kriegsjahre hinter sich zu lassen. Doch Anna will sich nicht von anderen retten lassen. So wie Neapel sich befreit hat, muss auch Anna ihren eigenen Weg zur Erlösung finden. Ihr unstillbarer Durst ist schwer zu stillen. Er kommt von innen und zeugt von Unabhängigkeit, Wissensdurst und vor allem von dem Mut, sich in einer Welt Gehör zu verschaffen, die nicht zuzuhören weiß.
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