Dem Tag gestohlenes Licht
Emanuele Altissimo
Luce rubata al giorno
Bompiani
Zusammenfassung
Dies ist die Geschichte zweier Brüder und jenes Sommers, der ihr Leben für immer prägen wird. Diego, Olmo und ihr Großvater sind in den Bergen, in der Hütte, die ihre Eltern vor ihrem Tod gekauft haben. Sie hoffen, dass dieser Ort Diegos Seele, dem ewig ruhelosen älteren Bruder, Ruhe schenken wird. Doch sobald der Wind auffrischt, rütteln die Sessellifte und die Wolken werfen tiefe Schatten über die Täler. Nur Olmo versteht, dass Diego in eine Welt jenseits seiner Reichweite abgleitet, in einen Rausch, der immer größer zu werden scheint, bis er den Himmel erreicht. Und er würde alles geben, um ihn zu retten. In der Ingenieurwissenschaft spricht man von zulässiger Spannung: der maximalen Belastung, der ein Gebäude ausgesetzt sein kann, bevor es einstürzt. Das Empire State Building beispielsweise überstand den Einschlag eines B-25-Bombers. Tag für Tag baut Olmo das Modell des Empire State Buildings: mit unendlicher Geduld, im Bewusstsein, dass die Stabilität des Gebäudes in der Platzierung jedes einzelnen Steins liegt. Doch welche Spannung ist für eine Familie, für die Liebe, die Menschen zusammenhält, zulässig? „Ich stellte mir meine Figuren als Riesen vor“, schrieb der Autor. „Diego ist ein Riese, dem seine Welt nicht genügt, der davon träumt, Berge zu besteigen und den Himmel zu erobern. Aber vor allem Olmo und sein Großvater sind Riesen. Riesen sind jene, die dem Schmerz ohne Ausreden ins Auge sehen. Die Schmerz ertragen, für den es keinen Trost gibt.“ In seinem Erstlingswerk gelingt Emanuele Altissimo ein Roman, der karg und doch voller Emotionen ist und dessen Figuren wie Schneeflocken langsam und frei fallen. Der Wind, die Lichtungen, das stolze Profil eines Hirsches, die dünne Luft der Berggipfel: Alles auf diesen Seiten ist so gewaltig und geheimnisvoll wie die menschliche Seele, die selbst in der dunkelsten Nacht einen Funken Licht bewahren kann.
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