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Dasvidania

Nikolai Prestia

Dasvidania

Marsilio

Zusammenfassung

Der siebenjährige Kola betrachtet vertieft einen grünen Apfel auf dem Fensterbrett und blickt ihn eindringlich an. Draußen ist alles weiß vom frisch gefallenen Schnee. Die Dächer der Stadt sind kaum zu erkennen. Die Stadt liegt an einem Fluss: der Wolga, mitten im Winter. Kola ist Waise und lebt mit seiner Schwester in einem Heim. Er hat eine Geschichte von Armut, Not und Vernachlässigung, wenn nicht gar Verlassenheit. Dieser Junge, heute dreißig und in Sizilien lebend, erzählt seine Geschichte. In diesem Buch gewinnen das Heim, die langen, stets leeren Gänge – außer wenn die Jungen und Mädchen von der Schule kommen –, die Herkunftsfamilie, die sehr junge und hilflose Mutter, der verzweifelte und gewalttätige Onkel wieder an Bedeutung und Gestalt. Mit der Präzision einer Reportage schildert Nikolai Prestia die zweite Hälfte der 1990er-Jahre und die postsowjetische Ära in ihren härtesten Ausprägungen: Armut und soziale Ausgrenzung, häusliche Gewalt, Alkoholismus und Drogen. Er beschreibt jene Jahre mit der Leichtigkeit eines Menschen, der sie selbst erlebt hat, und mit einer außergewöhnlichen Beobachtungsgabe. Dieses Buch ist jedoch kein Bericht, sondern ein Roman. Es ist eine schonungslose Geschichte, die unerträglich wäre, hätte Kolas Blick nicht eine Art Magie: die Kraft der Fantasie. Doch Kolas Fantasie erschafft keine alternativen Welten, sucht keine Fluchtwege, sondern erforscht die symbolische, poetische und beinahe magische Kraft alltäglicher Gegenstände: Ein grüner Apfel genügt, um das einst Dunkle und Schmerzhafte nahrhaft zu machen, eine Hose mit Taschen genügt, um in die Zukunft zu fliegen. Kola findet die Kraft zu imaginieren, lange bevor Worte nötig sind, um sie auszudrücken. Und diese hinterleuchteten Seiten erzählen auch die Geschichte der Eroberung der Worte. Zuerst die des beobachtenden Kindes, nun die des schreibenden Jungen. Eine klare, einfache, einladende Sprache, in der alte und literarische Anklänge mitschwingen. Das Ergebnis ist eine bittersüße, bisweilen an Dickens erinnernde Atmosphäre. Dasvidania erzählt von Leid und Schmerz, aber auch von viel Gutem: von der Tante, die die Kinder aus der Not rettet; vom Leiter des Heims, der dem Kind als Erster ein Buch in die Hand drückt – Der Idiot“ ; von der Krankenschwester Katiusha, die mit ihm einen Pakt der Hoffnung schließt; von den Freunden im Waisenhaus, jeder mit seiner eigenen Last aus Wut und Lebenskraft; und schließlich von den beiden Lehrern, die Kola und seine Schwester adoptieren, sie mit nach Sizilien nehmen und ihnen einen Ort bieten, an dem sie Wurzeln schlagen und nach vorn wie zurückblicken können. Mit Dasvidaniazeigt Nikolai Prestia, wie wir schon als Kinder alle Erinnerungen wertschätzen können, nicht nur die glücklichen.

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